Franz in der Ukraine, die Domina in Berlin und Corrine in Afrika. Sexistenschweine und Wa(h)re Liebe.

Prostitution ist ein heikles Thema.  Denn es ist nicht so, dass man es einfach als Dienstleistung betrachten könnte,  denn Sex ist für viele Menschen nichts natürliches, sondern eine “heilige Sache”. Folglich kann auch der bezahlte Sex für diese Menschen nichts natürliches sein, sondern lediglich Ausbeutung der Sexworker.
Und es gibt sie die Ausbeutung von Menschen, denen nichts mehr anderes übrigbleibt als ihren Körper zu verkaufen um nicht zu verhungern. Aber es gibt auch viele, viele die es als Geschäft betrachten. Und manche sehen es als einträglicher an, wenn das Geschäft eine “verruchte” Sache bleibt, statt sich zu einer allgemeinen Dienstleistung entwickelt. Manche Dominas die sexualisierte Schmerzen als Ware verkaufen (“Na, früher mal. Inzwischen lässt sich das schlecht und billig verkaufen.”)  und denen die Legalisierung den Profit geraubt hat, sind recht froh über die neuerlichen Aussichten, wenn ihre Kunden kriminalisiert werden, so richtig abzusahnen.  Sexworkerinnen die ihre Arbeit als Dienstleistung verstehen, dagegen kämpfen mit allen Kräften gegen eine solche Entwicklung.  Ihnen geht es nicht so wie der Domina um maximalen Profit auf Kosten der Männer, sondern um die freie Berufsausübung.
Aber wie bei so vielem, gibt es hier keine konsequente Haltung, die sich gegenüber allen Geschlechtern gleich verhält, sondern es sind wieder die heterosexuellen Männer die von Prostitutionsgegner unter Anklage gestellt werden.  Ihre “Triebhaftigkeit” ist verantwortlich für die Not und das Elend der Frauen überall auf der Welt. Diese “halben Tiere”, die es offenbar in großen Massen unter den cis-Männern gibt, muß man stoppen. ZeroMachos heist es. #gegenprostitution.

Und so einfach ist die Welt.  Wenn über Männer in der Ukraine berichtet wird, auf der Suche nach einer Partnerin, wird das auch entsprechend  dargestellt, so dass die männlichen Kunden auch als echte Dreckschweine rüberkommen.  Wenn dagegen über Frauen, die die Ärmsten der Armen ausbeuten in Afrika und von ihnen “Liebe” verlangen für harte Euros, dann wird es recht romantisch dargestellt.
Och wie süß “ Die Bekanntschaften zwischen jungen Einheimischen und älteren Urlauberinnen aus Europa bezeichnet in Gambia niemand als Prostitution. Denn auf beiden Seiten geht es um Sehnsüchte – nach ein wenig Liebe und nach einem anderen Leben. “

Nein das ist keine Armutsprostitution. Nein diese Frauen finden sicher das die jugendlichen Schwarzen sehr selbst bestimmte Menschen sind und dass es nicht nur die Not ist die sie dazu treibt:
“Er putzt jeden Tag meine Schuhe – so sauber waren die noch nie!”
“Der Francis fährt inzwischen so vorausschauend wie ein Europäer.”
“Meiner ist ein Muslim, aber das merkt man zum Glück kaum.”
“Ich hab James jetzt erst mal das Gym gestrichen.”

Nein selbst wenn die jungen afrikanischen Männer dann abseits der Frau solche Sachen über sich erzählen: <Manchmal kifft er vorher, oder er trinkt oder denkt an Anna, seine Frau, und Maxwell, ihren einjährigen Sohn, an den Generator, den er noch braucht für seinen neuen Pub, und dann sagt er sich: “Halt durch!”>, dann ist es GANZ etwas anderes.

Denn das ist alles was hier Frauen einfordern, ist klarerweise keine Dienstleistung aus Prostitution. Das ist alles Liebe. Wa(h)re Liebe. Wie diese Frauen es halt mögen. Heuchlerisch und sich selbst betrügend.  Damit sie keine “sexgeilen alten Runzelweiber” sind.  Sondern reifere, liebe Damen auf der Suche nach “Liebe”.
https://i1.wp.com/www.srf.ch/sendungen/club/iapp/image/1233334/22/liebesparadies_afrika@1x.jpg
Bildquelle: http://www.srf.ch/sendungen/club/liebesparadies-afrika

 

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4 thoughts on “Franz in der Ukraine, die Domina in Berlin und Corrine in Afrika. Sexistenschweine und Wa(h)re Liebe.”

  1. Guter Hinweis auf die Doppelmoral bei dem Thema. Kleine Anmerkungen:

    Die, die es als heilige Sache ansehen, können es nicht als Dienstleistung betrachten. Man schon.

    Die Formulierung „Körper verkaufen“ ist nicht nur unzutreffend, sie wird auch von den meisten Sexworkern verständlicherweise abgelehnt, denn seinen Körper zu verkaufen bedeutete einen Verlust der Selbstbestimmung über eben diesen Körper. Zu dem Thema haben sowohl Sexworker als auch andere viel geschrieben. Google is you friend.

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    1. Ah. Ich sehe ich habe mich hier zuwenig präzise ausgedrückt. Allerdings ist es auch gut wenn es deutlichen in einem eigenen Absatz erklärt werden kann, wie ich es meine.

      Natürlich können Sexworkende nicht diese Sache als “heilig” oder “besonders” ansehen, sonst wäre ihnen die Arbeit gar nicht möglich. Das ist nicht anders als bei Pornodarstellern. Diese müssen ihre Sexpraktiken auch als größten Teil ihres Schauspiels vor der Kamera sehen, sonst wären sie dazu nicht fähig. Also geht es bei der “heiligen Sache” um die Leute die Sexworkers angreifen, die aus dem sexuellen Zusammenseins, der körperlichen Dienstleistung eine “schmutzige Angelegenheit” konstruieren, warum auch immer. Die einen, weil sie es als erniedrigenden Akt für Frauen erachten, der die “Würde der Frauen verletzt”, die anderen weil “Sex ein Teil der göttlichen Liebe ist und nur in der Ehe ihren Platz hat”. Diese unheilige (sehr seichtes Wortspiel 😉 ) Allianz zwischen fundamentalreligiösen und den “feministischen” Fanatisierten ist schon öfter zu beobachten gewesen. Die treffen sich offenbar in der menschenverachtenden gruppenbezogenen Gesinnung und das bildet Gemeinsamkeiten, wo man keine vermutet hätte.
      Die UN-Menschenrechtscharta ist aber auch hier eindeutig. Artikel 23 Absatz 1:

      “Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.”

      Freie Berufswahl, gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen. Nur wenn man Sexwork nicht als Arbeit ansieht, kann man dieses Menschenrecht außer Kraft setzen und erwachsenen Menschen eine Arbeitsart verbieten. Und genau das wird versucht. Nur wenn man Sexwork verbietet, ist dann das nächste Pornodarstellung? Dann Massagen, weil möglicherweise Geheimprostitution? Und dann? Wo endet dann die Bevormundung freier Menschen?
      Deswegen wurden diese 30 Artikel der Menschenrechte so allgemeingültig wie nur möglich gestaltet und man hat dem Werk den Namen “Universale Erklährung der Menschenrechte” gegeben. Damit der Totalitarismus nie mehr eine Chance haben sollte sein ekeliges Haupt zu erheben.
      Und genau da stehen wir heute. Amnesty International hat sich genau aus diesem Grund gegen den Widerstand mächtiger feministischer Gruppierungen und UN WOMEN entschlossen sich für eine Liberalisierung des Sexwork bei gleichzeitger scharfem Kampf gegen Zwangsprostitution auszusprechen. Klargemacht, dass auch diese Dienstleistung die jemand freiwillig ohne Zwang ausüben will und ein anderer dafür bezahlt, erlaubt sein muss. So seltsam und empörend das vielenvorkommen mag.
      Amnesty International hat sich damit als ein wahrer Fels in der Bewahrung der Menschenrechte aller erwiesen.

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  2. Korrekt. Es ist faszinierend, wie sich unsere Wahrnehmung ändert, wenn wir den gleichen Sachverhalt bei Frauen bzw. bei Männern bewerten. Vielleicht ist ein positives Nebenprodukt des feministischen Männerbashings, dass Frauen von Männern klarer wahrgenommen werden. Es liegt auf der Hand, dass derjenige, der als toxisch gebrandmarkt wird, nachschaut, wie es bei demjenigen aussieht, der ihm Vorhaltungen macht.

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  3. Ich glaube inzwischen, dass dieser ganze Prozess der durch den Feminismus und dem Männerbashing ausgelöst wurde nur eine weitere Phase der Aufklärung sein könnte. Männer verlieren die idealistische Vorstellung über Frauen, in der sie Frauen auf der einen Seite auf ein Podest gestellt haben und auf der anderen Seite erniedrigt. Genau umgekehrt verhält es sich bei den Frauen. Auch diese durchlaufen eine Aufklärung.
    Am Ende steht wahrscheinlich die Desillusionierung aller Menschen was Geschlecht betrifft. Eine Klarheit und Nüchternheit unser aller Menschsein gegenüber. Statt zwei “Spezies” die zufällig sich paaren müssen und um die Ressourcen auf diesem Planeten kämpfen, aber sonst nichts gemeinsam haben, werden wir zu einer Menschheit. Wir lernen auf diesen schmerzhaften Weg, dass wir alle zum Guten und Bösen gleich befähigt sind und Gewalt, Habgier, Neid und anderes Negatives genau gleich verteilt in allen Menschen gibt, wie auch alles Positive. Das wir alle nur Menschen sind und Geschlecht nur ein winziger Aspekt unserer Existenz ist und keiner der ein Täter- und ein Opfergeschlecht hervorbringt.

    Aber wie bei jeder Aufklärungsphase in der Geschichte, durchläuft man dabei auch eine Zeit großer Irrationalität. Glaubensgebäude werden über Faktensammlungen gestellt. Abstruse Theorien zu Wahrheiten erklärt, bei der Kritik daran ein Verbrechen ist. Eine Gruppe wird zum “Feind” gemacht und die andere Gruppe wird mit Parolen und Propaganda der Zusammengehörigkeit ( “Wir xxxx” ) und Bedrohungsszenarien durch die “feindliche” Gruppe (Die yyyy sind alle …”) zusammengschmiedet. Und wie in jeder dieser Zeiten in denen sich der klare Verstand verdunkelt, lauert die Gefahr von sozialen Katastrophen bis zum Ende der Ära.

    Dies ist auch eine mögliche Fortsetzung der jetzigen Geschichtslinie. Wenn ja, dann war es die letzte Welle des Feminismus und der Spruch wird für diese Ideologie gültig: “Ich bin die Kraft die stets das Böse will und das Gute schafft”. ;D

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