ADHS , eine “erfundene” Krankheit, unfähige Eltern und Kristallkinder

ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität,  ist etwas was sehr polarisiert.  Sagt jemand, dass eigene Kind hat diese Störung (5 von 6 sind Jungs), ist Misstrauen noch das geringste negative Gefühl, dass den Eltern entgegenschlägt.  Sehr viel häufiger ist die Ansage: “Der ist doch nur lebhaft.  Lasst ihn doch mehr nach draußen spielen gehen.  Der hat Bewegungsmangel”.  Dabei schwingt immer mit: “He, ihr könnt einfach nicht erziehen”.  Es ist völlig egal ob man von staatlicher Stelle, die niemals Geld hergeben wenn es nicht unbedingt notwendig ist, doppelte Kinderbeihilfe bezieht, für Therapien hohe Zuschüsse und das Kind als behindert eingestuft wird.  Die Abwertung ist sofort erfolgt.  Schlechte Eltern.  Und es wird oft einfach als “Jungskrankheit” bezeichnet, obwohl auch Mädchen diese Störung aufweisen.  Denn ADS , die gleiche Krankheit ohne Hyperaktivität ist auch bei weiblichen Kinder nicht so viel seltener als bei Buben. (1 von 3 ADH-Kinder ist weiblich)  Auch das macht es schwierig, weil man es auf das Geschlecht bezieht,  meint es wäre nur die gesellschaftliche Ächtung des Bewegungsdrangs und er Lebhaftigkeit der Jungs, die als Störung bezeichnet wird.

Die andere Reaktion ist ebenso unangenehm, die lautet einfach: “Das sind ganz besondere Kinder.  Das ist keine Krankheit, das sind kleine Menschen mit viel mehr Sensibilität.  Die darf man nicht daran hindern, zu sein wie sie sind.”  Und diesen Eltern wird eingeredet, die betroffenen Kinder haben keine Störung, sondern sind die nächsthöhere Stufe der Menschheit. Indigokinder, weil sie eine indigofarbene Aura hätten.  Und ein Kind, dass sonst mit guter Behandlung die Chance gehabt hätte, sich normal zu entwickeln,  wird im Sonderschulstatus fixiert.  Als Erwachsene, haben sie dann ein viel höheres Risiko straffällig, drogensüchtig oder ein Sozialfall zu werden.

Lehrkräfte und Kindergärtnerinnen  sind hier die Schlimmsten. Sie gehen auf ein Seminar, wo sie hören was ADHS ist, kommen mit etwas Halbwissen zurück und kaum wird ein Junge im Unterricht störend, sehen sie sofort “ADHS”.    Der Junge gehört behandelt, sind sie überzeugt.   Die Lehr- oder Betreuungsperson  empfiehlt einen Gang zum Kinderarzt oder Kinderärztin. Und dort setzt sich das Unglück fort.  Es gibt nur einige Dutzend Experten die diese Störung sicher diagnostizieren können. Dazu sind umfangreiche Tests erforderlich, die ausschließen, dass es sich z.B: eine bipolare Störung handelt. Daher ist das Einzige was dieser Arzt, Mann oder Frau die ihr Wissen über diese Krankheit in  einem Seminar erhalten haben, tun sollten,  ist das Kind zu einem dieser Experten zu überweisen.  Was aber in größer als neunzig Prozent der Fälle passiert, ist dass dem Kind ohne weitere Prüfung Ritalinpräperate verschrieben werden. Und da es sehr oft gesunde Kinder sind, wirkt diese Medikamentengabe dann wie die Verabreichung von Drogen.  Viele Kinder werden tatsächlich ruhiggestellt,  wirken zeitweise wie Zombies. Andere werden aufgedreht,  sie lernen viel besser,  wirken wie wenn sie auf “speed” wären.

Und all das sind dann die Eindrücke, die andere Eltern bekommen von ADHS,  das keines ist. Die in Wahrheit sehr seltenen kranken Kinder bekommen dann keine Hilfe, weil “es gibt ja ADHS gar nicht”. Wer ein Kind mit echtem ADHS hat, hat oft das Gefühl als ob zu Eltern die ein Kind mit  chronischer Lungenentzündung haben, gesagt wird, sie sollen sich nicht so anstellen, der Husten geht sowieso wieder vorbei. Das wäre doch gar keine Krankheit, man müsse als Eltern die Kinder nur etwas wärmer anziehen, dann würden sie auch nicht krank werden.

Kinder die keine fünf Minuten stillsitzen können (Hyperaktivität ist nicht lebhaft, sondern etwas weit radikaleres),  die handeln bevor sie nachdenken über die manchmal sogar lebenslangen Folgen, die keinen Bezug zu Geld haben und es ausgeben auch wenn sie es nicht haben und sich ständig mit Käufen belohnen müssen, die in normalen Berufssparten keine Chance haben werden auf Dauer zu arbeiten (Aufmerksamkeitsstörung ist nicht Ablenkung, sondern blitzartig wechselnde Interessenlage), denen wird die Therapie verweigert weil es ADHS nicht gibt. Und der letzte Nagel zu diesem Sarg ist die im Interner herumgereichte Behauptung, selbst der Entdecker von ADHS hätte auf dem Totenbett die Lüge zugegeben.  Nur ist weder Eisenberg der Erfinder von ADHS, noch hat er eine Lüge zugegeben. sondern nur den Missbrauch mit dieser Diagnose angeprangert.

Aber dieser Mythos verbreitet sich im Netz und wird wieder und wieder gebracht,  Für Eltern die Kinder mit echten ADHS, eine reine Katastrophe.

P.S: Eine sehr gute Darstellung der fachlichen Details die weniger laienhaft ist als meine, hat  @maddes8cht in diesem Kommentar und nachfolgenden gemacht.

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17 thoughts on “ADHS , eine “erfundene” Krankheit, unfähige Eltern und Kristallkinder”

  1. Sind das die Aussage dieses Posts?
    1. Vielen Jungen wird unterstellt, sie hätten ADHS. Haben sie aber nicht.
    2. Vielen Jungen wird unterstellt, sie hätten kein ADHS. Einige haben aber ADHS.
    3. ADHS wird gesellschaftlich geächtet, worunter die Eltern leiden
    4. ADHS ist gesellschaftlich nicht geächtet, weil zu viele Eltern bereitwillig Ritalin geben.
    5. ADHS ist ein Mythos
    6. ADHS ist kein Mythos

    Die korrekte und wesentliche Information lautet: durch die allgemeine Abwertung männlicher/ jungenhafter Ausdrucksformen, steigt die Bereitschaft diese Formen medikamentös zu regulieren. Schulen und Familien unterbinden jungenhafte Ausdrucksformen, was zum beklagten Verhalten bei den Jungen führt. Da die Form geächtete toxische Männlichkeit ist, ist ihr Auftreten gesellschaftlich geächtet. Eltern, die einen Jungen mit Bewegungsdrang haben, erhalten das Stigma sowohl, wenn sie den Drang medikamentös behandeln (-> Eingeständnis toxischer Männlichkeit), als auch wenn sie es ignorieren (Tolerierung toxischer Männlichkeit). Tatsächlich an ADHS erkrankte Kinder werden primär gesellschaftlich geächtet, bevor die Krankheit wahrgenommen wird, was ihre Behandlung erschwert.

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    1. Danke für den Kommentar. Ja, auch das ist ein Teil des Problems. Und ADHS ist tatsächlich ein Mythos und kein Mythos. Es gäbe eine sehr große Anzahl von Jungen die ADHS haben, ist ein Mythos. Es gibt kein ADHS, ist auch ein Mythos. Das beides stimmt, ist das was es so schädigend macht in der Gesellschaft.

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  2. “Es gäbe eine sehr große Anzahl von Jungen die ADHS haben, ist ein Mythos. ”

    Wie man es nimmt.
    Ein Mythos ist jedenfalls, dass es “immer mehr” Kinder mit ADHS gäbe.
    Es gibt vielleicht mehr diagnosen, aber nicht mehr Fälle.
    Die Prävalenz für ADHS (und ADS) liegt seit Jahren relativ konstant bei ca. 5%, und das Weltweit.

    Jungen / Männer werden häufiger diagnostiziert. Bei Mädchen/Frauen wird häufiger die nicht-hyperaktive Form diagnostiziert, also ADS.
    Sie wird natürlich auch seltener bemerkt, da diese Form weniger “störend” auffällt, kann also gut sein, dass die Mädchen/Frauen deutlich unterdiagnostiziert sind, ebenso wie Jungen wohl zu häufig und damit überdiagnostiziert sind.

    AD(H)S ist ohnehin als “phänomenologische” Bezeichnung in meinen Augen ausgesprochen unpassend und irreführend, weil eben nur auf die Merkmale Aufmerksamkeit und hyperaktivität fokussiert wird.

    Die Belastungen durch ADHS sind erheblich umfassender als von diesen zwei Punkten angeleuchtet.
    Es handelt sic um eine umfassende Störung in den “executiven Funktionen”, wie es Barkelay nennt:eine allgemeine Störung in den Fähigkeiten zur Selbststeuerung.
    Die Steuerung der Aufmerksamkeit oder der Aktivität (egal ob zu über- oder unteraktivität) sind davon lediglich zwei nach außen besonders auffällige Ausdrucksformen.

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    1. Zum Standardvorwurf, den jeder AD(H)S Betroffene als Lebensbegleiter kennt: Du willst einfach nicht genug… sagt Cordula Neuhaus etwas (aus dem Kopf zitiert),
      Wenn man nicht so wollen kann, wie man wollen können will (oder soll)

      Wie soll man wollen können, wie man wollen will, wenn man nicht so wollen kann, wie man wollen können soll.

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  3. Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu.

    Hier aber ” Viele Kinder werden tatsächlich ruhiggestellt, wirken zeitweise wie Zombies.” kann ich dir nicht zustimmen, denn tatsächlich handelt es sich bei Ritalin u. ä. um ein Mittel, das nicht “ruhigstellen” kann, also um kein Beruhigungsmittel. Es kann tatsächlich Betroffenen helfen, die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen und ihre Impulse besser zu kontrollieren.

    Was mir auch fehlt, ist ADS ohne Hyperaktivität. Bezieht man das mit ein, wird auch der Anteil betroffener Mädchen höher (Liegt dann bei 1 zu 3).

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    1. Ja das ist richtig. ADS ist die Grundform. (Hab es jetzt eingebaut)

      Und die Ruhigstellung bezieht sich auf gesunde(!) Kinder. Denn bei denen wirkt es oft ganz paradax. Es kommt oft zu ähnlichen Reaktionen wie bei Beruhigungsmittel. Das ist ja das Tragische. Sobald ein Kind so reagiert, müsste jedem Verantwortlichen sofort klar sein, dass es sich nicht um ADHS handeln kann. Weil die Methylphenidat-Präparate nicht so wirken auf kranke Kinder.
      Unser Sohn hat diese Störung (jetzt aber nur noch schwach, da ausgewachsen) und konnte sich nach der Einschleichphase bis er den Blutspiegel hatte, auf einmal viel besser konzentrieren, viel länger lernen, ruhiger bleiben, sich selbst mehr kontrollieren. Dafür waren die Nebenwirkungen des schlechten Schlafens und der Appetitlosigkeit hinnehmbar sowohl für ihn als auch für uns Eltern. Nur in den Ferien haben wir es komplett pausiert. Zudem hatte er begleitende Psychotherapien wie Bio-Feedback und anderes. Und nach zwei Jahren hat er von selbst gesagt, er möchte nicht mehr, daher haben wir aufgehört. Danach hat er aus eigener Kraft versucht damit umzugehen.

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      1. Hallo Gerks,
        ich sehe, dass Du durch eigene Mitbetroffenheit zu dem Thema kommst, so wie ich auch.
        Ich habe mich ziemlich ausführlich mit dem Thema AD(H)S befasst, und mag ein paar Deiner Aussagen so nicht stehen lassen.

        Daher ohne besondere Reihenfolge:
        “ADS ist die Grundform.”

        Nein.

        Oder besser: Sieht nicht unbedingt eine Mehrheit der Forschung so.
        Man kann ADS, ADHS sowie “Mischformen” als mehr oder weniger getrennte Phänomene sehen, aber gerade die Mischformen zeigen eigentlich, dass da ein gleitender Übergang ist, der sich weder durch unterschiedlichen Schweregrad noch durch ansonsten grundsätzlich unterschiedliches Störungsbild auszeichnet. Dabei ist “mischform” eher nicht ein Verhalten zwischen hyperaktiv und verträumt, sondern eines, das je nach Umständen mal verträumt, mal hyperaktiv wird, immer abhängig von den Anforderungen: Wenn konzentration gefordert ist, wird man verträumt, wenn Ruhe gewünscht ist, wird man hyperaktiv….

        Mit der Ausnahme: Es gibt wohl tatsächlich Untersuchungen, nach denen eine Bestimmte Unterguppe der nicht-hyperaktiven, also der ADS (ohne h), vielleicht insgesamt als “andere” Störungsform aufgefasst werden muss, die auch auf (grundsätzlich erfolgreiche) AD(H)S-typische Behandlungsmethoden nicht gut ansprechen.
        (frag mich jetzt nicht nach Studien, aber ADHS Deutschland kann im Zweifelsfall bestimmt Auskunft geben)

        Ohne diese Gruppe scheint aber eher zu gelten: ADS und ADHS führt grundsätzlich zu sehr gleichartigen Problemlagen und Begleitproblemen.
        Bei der Charakterisierung von AD(H)S-typischem Verhalten zählt z.B. Cordula Neuhaus seitenweise mehr oder weniger extreme Verhaltensweisen auf, und schreibt jedesmal dahinter: “oder das Gegenteil”. Das Gegenteil ist natürlich immer genauso extrem.
        Vor dem Hintergrund ist das verträumte ADS einfach nur ein ADHS, das in einem bestimmten Aspekt von AD(H)S, nämlich der Aktivität, zu entgegengesetzt extremem Verhalten ausgeprägt ist – eine dualität, die sich in fast allen Aspekten von AD(H)S so wiederfindet. Es gibt die Chaotiker, bis hin zum Messi, und die Kontrollfreaks mit ihren antrainierten überkompensationsstrategien.
        Es gibt die Streitsüchtign, die aus jeder Kleinigkeit einen Elefanten machen, und die harmoniebedürftigen, die keinen Streit in der Luft ertragen. Es gibt die stillen und die lauten.
        Und bei allem immer auch welche, die mal so, mal entgegengesetzt sind, aber selten irgendwo in der Mitte.

        Insofern sträubt sich was bei mir, wenn Du ADS als die “Grundform” bezeichnest.

        “die Ruhigstellung bezieht sich auf gesunde(!) Kinder.”

        Nein, tut es nicht.
        Methylphenidat ist ein Aufputschmittel. Damit stellt man niemanden “ruhig”.
        Erst recht keinen “gesunden” – wobei ich das Wort nicht mag. Ich habe eine “Störung” gegenüber anderen Menschen, aber “krank” bin ich deshalb nicht. Ich bin mit den entsprechenden Eigenschaften eben etwas “anders”.

        Auch gesunde “glauben” sich besser konzentrieren zu können, vor allem fühlen sie sich wacher und leistungsfähiger.
        Egal, wie sie sich von außen “anfühlen” (z.B. äußerlich “ruhiger”), innerlich werden nicht-AD(H)S ler eher unruhiger und geben dies auch zu.

        Es gibt ein oftmals recht schmales “wirkungsfenster” in der Dosierung, bei der MPH positiv auf einen konkreten AD(H)Sler wirkt, und diese Dosis muss erst mal in einer Einstellungsphase ermittelt werden.
        Bei mir hat das meine Ergotherapeutin in mehreren Sitzungen gemacht, bei denen ich mit unterschiedlicher Dosierung antrat. Sie hat eine Reihe normierter Tests mit mir gemacht, bei denen Leute im Schnitt bei etwa je 100% landen, je nach individueller Begabung auch insgesamt höher oder niedriger, dann aber in der Regel auch bei der mehrheit der Tests gleichförmig besser oder schlechter. Unbehandelt kam ich bei ca der hälfte der Tests tatsächlich bei etwa 100% heraus – bei den anderen brach ich massiv ein – bis auf 40% oder gar 30%. (war unheimich anstrengend, ich hab geschwitzt und kam unter höchste Anspannung).
        Mit zunehmender Dosierung steigen diese eingebrochenen Werte an, bis auf ebenfalls ca. 100%. Ein “Lerneffekt” war das nicht, wenn die Dosierung wieder runtergenommen wurde, wurden die Ergebnisse auch wieder schlechter.
        Ich wurde aber in den Bereichen, in denen ich bereits gut war, nicht noch “besser”, nicht über 100%.

        “konnte sich nach der Einschleichphase bis er den Blutspiegel hatte, auf einmal viel besser konzentrieren”
        Anders als bei fast allen Psychopharmaka ist MPH kein spiegelbildendes Medikament. Es gibt daher keine “Einschleichphase”, es gibt höchstens eine Einstellungsphase, in der man die Dosierung langsam erhöht und die Wirkung beobachtet, bei welcher Dosierung es am besten wirkt. Ansonsten ist gerade MPH nach wenigen Stunden in seiner Wirkung nahezu vollständig abgeklungen und noch ein bisschen später auch völlig aus dem Körper draußen. Man kann natürlich eine Weile brauchen, bis man mit der Veränderung etwas anfangen kann bzw. bis jemand von Außen eine Veränderung bemerkt. Das hat aber nichts mit einer Einschleichphase oder einer Spiegelbildung zu tun.

        “Unser Sohn hat diese Störung (jetzt aber nur noch schwach, da ausgewachsen)”
        Ich bin hochgradig misstrauisch gegen dieses “ausgewachsen, v.a. wenn du es mit “nur noch schwach”relativierst.
        ADHS verändert sich in seiner Erscheinung, ich würde das aber nicht als “schwächer” bezeichnen wollen. Sicher, die Hyperaktivität wird weniger nach außen sichtbar und wird mehr als “innere Unruhe” internalisiert, deren man sich möglicherweise auch gar nicht mal so bewusst ist. Aber es kann dennoch zu erheblichen Problemen führen. Ich sagte bereits, die Fokussierung des Namens auf die hyperaktivität und die Aufmerksamkeit sehe (nicht nur) ich als Problem – das sind nicht die gravierendsten Einschränkungen dieser Störung. Er sollte das keinesfalls unterschätzen und auf jeden Fall im Auge behalten: er hat dieses ADHS immer noch. Möglicherweise spielen die Eigenschaften in bestimmten, für ADHS günstigen Lebensmsänden kene oder nur eine geringe Rolle, aber die Lebensumstände verändern sich auch wieder, und in der Regel lebt man ja in mehreren Lebensbereichen. ADHS wirkt sich so ziemlich auf alle Lebensbereiche aus, und in aller Regel negativ.

        Ganz zuletzt noch der Hinweis darauf, dass AD(H)S erblich ist: Wenn ein Kind AD(H)S hat, dann kommt das üblicherweise irgendwo her – entweder vom Vater oder der Mutter, gar nicht so selten sogar von beiden, weil AD(H)S Betroffene sich irgendwie gegenseitig anziehen und oft finden. (Auch da wieder die Feststellung, dass ein ADHS Elternteil ohne weiteres ein verträumtes ADS Kind bekommen kann,oder umgekehrt. Sieht man nicht so ohne weiteres ein, dass das dann eine geerbte Eigenschaft sein soll, da sie doch so vollkommen anders aussieht). Schon mal Gedanken gemacht, ob da was sein könnte? Man muss deshalb ja nicht sofort eine Therapie oder so machen, aber sich mal mit den Auswirkungen, Problemen und Erscheinungsformen im eigenen Leben zu befassen ist sicher kein Fehler. Schon allein das Wissen darum kann in der Einschätzung eigener Problemfelder ein großer Gewinn sein.

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        1. @maddes8cht Danke für diesen großartigen Kommentar. Ich muss schauen ob ich den irgendwie besonders markieren kan.
          Nur drei kleine Anmerkungen.
          1) Wir als Eltern waren sehr mitbetroffen. Mein Sohn kämpfte damit bis zur Pupertät und ist jetzt als Erwachsener noch nicht symptomfrei.
          2) Das mit der Grundform bezog sich auf die Symptomatik. Denn ADS (das Träumelieschen) ist die reine Konzentrationsstörung, AD H S ist aber die selbe Symptomatik aber mit zusätzlicher Hyperaktivität (der Zappelphillip) . Dadurch kann man vereinfacht davon sprechen, dass ADHS = ADS + H Nur das wollte ich dadurch ausdrücken.
          3) “Methylphenidat ist ein Aufputschmittel” ist richtig. Allerdings wirkt es völlig paradox auf gesunde Kinder und die Wirkung ist nicht vorhersehbar. Sehr oft zeigt sich dann tatsächlich eine Art Zombieverhalten. Leider wird von den Eltern nicht wahrgenommen, dass in Fällen wo ein Kind dann nach dem Erreichen des Medi-Spiegel derartig unnormal sich verhält, die Diagnose ADHS komplett falsch sein muss und sie sofort mit der Expertenperson in Verbindung setzen oder diese sogar wechseln müssen.

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          1. Danke, dass dir mein Kommentar gefällt 🙂
            Dass MPH in mancher Hinsicht unvorhersehbar ist ist ja okay (gilt für andere Medikamente aber auch).
            Aber: Ein Aufputschmittel, das bei gesunden Menschen üblicherweise “paradox” und sedierend wirkt, ist kein Aufputschmittel. Ein Aufputschmittel definiert sich aufgrund seiner ÜBLICHEN Wirkung. Und MPH ist ein Aufputschmittel.
            AD(H)S dagegen ist eine Störung, bei der bei vielen Betroffenen alle möglichen Schlaf-, Beruhigungs-, Betäubungs- sowei Aufputschmittel paradoxe Wirkungen zeigen (also entgegen der üblichen Wirkung).
            Selbst Narkosemittel können paradox wirken oder extreme Dosierungen erfordern. Mein Zahnarzt muss mir ca. die drei-bis vierfache Dosis in einen Zahn spritzen, bevor der tatsächlich taub ist.

            “ADS (das Träumelieschen) ist die reine Konzentrationsstörung”

            Nein, ADS ist meist nicht einfach nur ADHS ohne hyperaktivität, sondern eher ein ADS mit Hypoaktivität, also UNTERaktivität. Es ist nicht OHNE extremform bezüglich Aktivität, sondern eine UMGEKEHRTE Form.
            In diesem Sinne nochmal: Die Aufmerksamkeitssteuerung ist nur eines von vielen Problemen der Selbststeuerung, die AD(H)S mit sich bringt. Die Namensgebung ist daher mit seiner Fokussierung auf dieses spezielle phänomenologische Problem kontraproduktiv, wie man schon daran sieht, dass du das auch nach meiner Erklärung völlig selbstverständlich weiterverwendest, ohne auf diesen Aspekt auch nur einzugehen.
            Es war, glaube ich, auch Barkley (amerikanischer ADHS Forscher, der eine der beiden größten Langzeitstudien zu AD(H)S mitleitet), der es so beschrieb: Die Bezeichnung ADHS ist in etwa so, wie wenn man Autisten bescheibt als Leute, die komisch mit den Armen rudern und komisch sprechen.
            Es ist viel zu phänomenologisch und tangiert das wesentliche Problem nur.

            “und ist jetzt als Erwachsener noch nicht symptomfrei.”

            Er wird niemals “symptomfrei” werden. AD(H)S wächst sich nicht aus, es verändert sich höchstens. Er kann lernen, damit einen guten Umgang zu finden, aber das ist nicht das selbe, wie Symptomfrei zu werden. Dazu aber muss er vor allem anerkennen, dass es Symptome gibt und die immer noch da sind und da bleiben werden, anstatt nur zu versuchen, die Symptome kleinzureden, (über)zukompenseren oder sie zu leugnen.

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            1. Uff. Obwohl wir fast ein Jahrzehnt mit unserem Sohn in allen möglichen Formen mit AD(H)S zu tun hatte, wir sogar in einem Verein waren (kennst du http://www.adapt.at? Den gibt es jetzt leider nicht mehr ) kenne ich nur einen Bruchteil dieser Infos die du jetzt mir auf einen Schlag gegeben hast.
              Aber wir waren auch sehr mit den Alltagsproblemen beschäftigt, deswegen haben wir uns über die genauen Details der Krankheit/Störung nie wirklich Gedanken gemacht.
              Es ist aber toll, dass jemand der so profund wie du offenbar ist in diesem Thema hier mitredet. Danke dafür-.

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              1. Hi,
                Ich habe aufmerksam eure Kommentare gelesen.
                Wer sich wirklich auf den neuesten Stand bringen will und vor allem lernen will, wie man als Eltern mit ADHS am besten umgeht, dem kann ich nur die Seminare von Cordula Neuhaus ans Herz legen.
                Diese haben uns am meisten geholfen.
                Gruß
                K. Wenta

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            2. Noch ein P.S.
              ADS ist niemals einfach “nur” eine Aufmerksamkeitsstörung.
              eine Aufmerksamkeitsstörung, die alleine auftritt, ist einfach noch lange kein ADS. Ein AD(H)S, das sich nicht mindestens in mehreren Lebensbereichen auswirkt, ist kein AD(H)S, sondern irgend etwas anderes. Aufmerksamkeitsstörungen treten in Zusammenhang mit ziemlich vielen psychischen/psychiatrischen Störungs-oder Krankheitsbildern auf, z.B. auch bei Depressionen.

              Wen man dabei schon etwas spezifisch AD(H)S typisches finden will, dann wäre das der Umstand, dass AD(H)Sler sich ganz ausgeszeichnet konzentrieren können, wenn etwas wirklich ihr Interesse weckt. Dann können sie vom Gegenstand ihres Interesses geradezu aufgesaugt werden, gelegentlich bis zur Erschöpfung.
              “Nicht anfangen können, nicht dranbleiben können, nicht aufhören können” ist auch so ein typisches AD(H)S dingens.
              Während man sich bei einer Depression oder anderen Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit eben einfach “nicht mehr konzentrierren kann” auch auf Dinge, die man eigentlich gern macht, oder feststellt, dass man sich eben “für nichts mehr” interessieren oder begeistern kann.
              Der wesentliche Punkt des AD(H)S ist also nicht, sich nicht auf etwas “konzentrieren” zu können, sondern die Aufmerksamkeit nicht steuern zu können. Deshalb ist zumindest “Aufmerksamkeitsstörung” richtig anstatt “Konzentrationsstörung”. Noch richtiger wäre “Aufmerksamkeitssteuerungsstörung”. Die Aufmerksamkeit lässt sich kaum willentlich auf etwas richten, das zwar als Wichtig erkannt, aber nicht als attraktiv und interessant wahrgenommen wird. Und das ist auch für einen Erwachsenen ein massives Problem, wenn es etwas unangenehmes zu erledigen gilt und man das einfach trotz großer Anstrengung nicht schafft.

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  4. Sprechen wir es doch offen aus, was in Familienrechtskreisen gern verherrlicht oder verbissen bestritten wird:
    Viele Trennungskinder werden, meist auf mütterliche Initiative ( oder derer “Berater” ) hin, mit Ritalin nach Falschdiagnose ruhiggestellt/pflegeleicht gemacht. Die vordergründige Ähnlichkeit der Symptomlagen eröffnet dem Mißbrauch ein weites Feld, das auch den davon profitierenden Professionen oft sehr genehm ist.
    Logisch, daß auch echte Fälle unter diesem Dillemma leiden.

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    1. @Fiete:
      Man kann aber Kinder nicht mit einem Aufputschmittel “ruhig stellen”.
      Und “pflegeleichter” werden sie durch MPH auch nicht.
      MPH hilft AD(H)S betroffenen, sich selbst besser zu steuern und mehr das zu tun, was sie tatsächlich SELBST wollen, anstatt von ihren spontanen Ideen getrieben zu werden.
      Und die meisten WOLLEN durchaus Aufgaben erledigt bekommen, Freundschaften haben, etc.

      “eröffnet dem Mißbrauch ein weites Feld, das auch den davon profitierenden Professionen oft sehr genehm ist.”

      Blödsinn.
      Solltest Du psychologen bzw. Psychiater meinen:
      Schon mal versucht, einen Psychologen zu finden?
      Die sind überlaufen. Absolut unnnötig, sich da weiteren Bedarf zu “sichern”, der ist von alleine da.
      Abgesehen davon: Die meisten arbeiten aus verschiedenen gründen eher ungern ausgerechnet mit AD(H)S lern.

      Dass man bei Trennungskindern auf Fehldiagnosen kommen kann ist einerseits richtig, allerdings wird ein guter psychiater/Psychologe diese Diagnose eben verfolgen und eine Falschdiagnose erkennen.
      Andererseits gilt auch:
      AD(H)Sler (also die in aller Regel betroffenen Eltern!!! eineinself) haben deutlich höheres Trennungsrisiko, Beziehungen/ ehen scheitern deutlich häufiger und schneller. Ist also durchaus zu erwarten, unter trennungskindern auch ene ECHTE erhöhte Anzahl von AD(H)Slern zu finden.

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        1. Ich weis. Deswegen weise ich auch überall darauf hin, dass NUR die wenigen Spezialisierten einen echten gesicherte Diagnose erstellen können.
          Und alle andere Diagnosen von Kinderverarztenden und besonders von Halblaien wie den Kinderbetreuenden und Lehrkräften mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Solange nur als Vermutung betrachtet werden dürfen, bis eine richtige AD(H)S-Diagnosestelle diese erhärtet hat.

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