Chemotherapie (Science Fiction-Kurzgeschichte)

(Verfasst wurde diese Geschichte von mir 2005.  Auch damals wurde Raubbau am Planeten betrieben. Und er hat nicht aufgehört.  Vielleicht werden wir irgendwann eine Rechnung präsentiert bekommen )

Die Erfolgsgeschichte der Menschheit war seit ihren Anfängen auf der Erde ungebrochen weitergegangen.  Die Großmacht USA begann am Anfang des dritten Jahrtausends ihren Aufstieg der erst nach fast siebenhundertfünfzigjährigen Geschichte als unangefochtene Weltmacht enden sollte. Die Föderation der asiatischen Völker konnte sich nach langer Passivität auf Dauer schon durch ihren gewaltigen Bevölkerungsreichtum durchsetzen und sehr lange Zeit das Weltgeschehen bestimmen. Die folgende Zeit führte zu gewaltigen Fortschritten. Nach der globalen Energiekrise im ersten Jahrhundert hatten die Menschen begonnen zur Sicherung des Bedarfs, die Bodenschätze des Mondes und des Mars  heranzuziehen, und sie beuteten diess Welten gnadenlos aus. In dieser Periode der Mitte des dritten Jahrtausends traf die Erde auch erstmals auf Fremdintelligenzen. Die bisher in der Nachbarschaft der Erde im Alpha Centauri  unbemerkt lebende Rasse traf erstmals auf Vertreter der Menschheit. Das uralte Reich der Alpha Centaurianer befruchtete das Denken der Menschheit und führte zu einem wechselseitigen Austausch zwischen den beiden Rassen. Abkömmlinge der Menschheit besiedelten in einer zweiten Welle den terrageformten Mars.

Zweittausend Jahre später beherrschten die Nachfolger der Menschheitsabkömmlinge vom Mars den größten Teil des Spiralarms in dem sich die Sonne befindet.  Nach weiteren sechsundzwanzigtausend Jahren hatte die entfesselte Menschheit und ihre Abkömmlinge, die Milchstrasse besiedelt. Die Ausbeutung der besiedelten Planeten und Sonnensystem ging unverdrossen weiter. Die Menschheit sonnte sich im Glanz ihrer Hochtechnologie, die jede Art von Umweltkatastrophe verhindert hat  Aber auch die Schätze der Milchstrasse waren nicht unendlich. So wurden nach der Ausbeutung der meisten Ressourcen der Heimatgalaxie neue Mittel und Wege gesucht, den unglaublichen Energiebedarf der Menschheit zu decken.  Das große supermassive schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße wurde zum nächsten großen Forschungsgegenstand.  Technologien konnten entwickelt werden, die ein Eindringen in das Loch ermöglichten, doch dafür mussten Sterne ihre ganze Energie hergeben. Erste Pioniere wagten den Durchgang und entdecken das sie weit entfernt von daheim wieder in den Normalraum zurückkehrten. Sie fanden sich, nach dem sie sich aus den gewaltigen Kräften des schwarzen Lochs befreiten, im Zentrum der Nachbargalaxie Andromeda wieder. Damit schien die Menschheit eine universelle Bewegungsform gefunden zu haben, eine die es  ohne Zeitverlust möglich machen würde in den entferntesten Winkel des Universums vorzudringen und ihn zu bevölkern.

Doch als sie ihr Raumschiff in einem unbekannten Sonnensystem in Andromeda landen, werden sie von einer Reihe seltsamen Raumschiffen beschossen und die Hälfte der Leute getötet. Nachdem sie glauben das Ärgste überstanden zu haben taucht ein riesiges Kugelschiff auf und beginnt systematisch den Planeten zu bombardieren. Auf diesem Planeten lebt aber bereits eine einheimische Rasse,  die durch das Bombardement ausgerottet werden. In der weiteren Folge fliehen sie aus dem System und werden Zeuge wie dieses, und mehrere benachbarte Systeme in Folge vernichtet werden. Mit viel Glück erreichen sie mit ihrem Experimental-Raumschiff das schwarze Loch und sind wieder zurück in der Milchstrasse. Nach kurzer Zeit tauchen aber auch hier die seltsamen Raumschiffe und die Kugelraumer auf und fangen an ein System nach dem anderen auszulöschen. Die Menschen fliehen aus den betroffenen Systemen, aber werden noch im Leerraum beschossen und vernichtet. Die Galaxiebewohner begreifen, das es offensichtlich keine Gnade geben wird, da jede Kontaktaufnahme ohne Resultat bleibt. Kein einziger Hyperfunkspruch wird beantwortet. Jede Versuch der Kapitulation führt ebenfalls nur zu Tod und Zerstörung. Es beginnt für die Menschheit und die alliierten anderen Völker ein verzweifelter Abwehrkampf. Doch ohne Erfolg, alle Gegenwehr ist nutzlos. Einige Völker am Rand der Galaxie erhalten Besuch von pyramidenförmigen Raumschiffen und die blauen Wesen die aussteigen, die aus purer Energie zu bestehen scheinen, teilen den Völkern mit, das sie sich von den Planeten auf denen Menschen wohnen fernhalten sollten. Ohne weitere Erklärung verschwinden sie wieder. Viele mehr im Inneren der Galaxie lebenden Rassen glauben den Randvölkern nicht, halten sie im Gegenteil für Verräter. Auch die galaxienweite Medienpropaganda der menschengeführten Sender trägt dazu bei den nichtmenschlichen Völkern höchstes Misstrauen und Feindschaft zu säen. Um so verzweifelter wird der Kampf gegen die Invasoren. Aber ein Planet um den anderen wird zerstört, ein System um das andere wird durch die Explosion der eigenen Sonne vollständig vernichtet. Es ist, als ob es die Absicht der Invasoren sei, die Galaxie vollständig in eine gigantische Teilchenwolke zu verwandeln und jeden Stern und Planeten zu eliminieren. Was trieb all diese Wesen an? Warum haben sie es so auf die Menschen abgesehen, fragte sich bald jede andere Rasse in der Milchstrasse. Doch die Vernichtung geht immer weiter. Millionen Lebewesen starben, tausende Sonnensysteme werden ausgelöscht. Doch irgendwann werden es immer weniger Menschen, die auf der Flucht sind. Die Zerstörungen ebben im gleichen Maße ab. In einigen Bereich der Galaxie kehrt langsam Ruhe und Frieden ein, und es sind immer vollständig von Menschen entvölkerte Bereiche.

Am Ende verstecken sich noch einige wenige Familien auf dem einzigen Planeten der sich im Umlauf um einen kleinen blassgelben Stern befand. Dann landen auch dort die Raumschiffe der gnadenlosen Fremden. Jede Stadt, jede Siedlung, jede Behausung wird von den brutalen Truppen niedergemacht, wie zuvor im Rest der Galaxie. Ein junge Frau flieht mit ihrem Kind aus einer kleinem Dorf,  in die Berge. Dort verkriecht sie sich in einer Höhle. Bald schon hörte sie wie ringsum in den Dörfern und Anwesen im Tal die vollständige Vernichtung der Menschheit weiter ihren Lauf nimmt.  Dann kommt das Grauen auch auf sie zu. Einer der wie ein flacher Diskus geformter Transporter der Feinde fliegt auf ihre Höhle zu. Wieder versuchte sie zu fliehen. Aber als sie sieht das die Fremden in ihren grellweißen Rüstungen offensichtlich mit Peilgeräten nach ihr suchten und immer näher an sie herankommen, gibt sie auf. Sie kauerte sich mit ihrem Kind an einen Felsen und erwartete das Unvermeidliche. Dann steht einer der fremden Bestien vor ihr. Das Wesen richtet eine Art Laserlicht auf sie. Sie ruft ihrem Kind zu: „Flieh!“. Doch das Kind, das vollständig starr vor Entsetzen  ist, bleibt am Felsen stehen. Das Licht richtet sich genau auf ihren Kopf. Voller Abscheu, Verzweiflung und Wut schreit sie das fremde Wesen an: „Warum? Warum tut ihr das?  Was haben wir euch getan? Wer seid ihr und was wollt ihr von uns Menschen?“  Sie schrie und weinte. Am Ende bricht sie zusammen und bleibt wimmernd liegen.

Die Rüstung des Wesen öffnet sich und ein blutrote Gestalt tritt heraus. Eine ungemein angenehme Stimme die offenbar nur in ihrem Kopf zu hören war antwortet ihr, obwohl sie das nie erwartet hätte. „Du und dein Spross sind die Letzten deiner Art. Es ist mir möglich dir eine Antwort zu geben“. Die Frau hob hoffnungsfroh den Kopf. „Ihr Menschen seid nicht wie die anderen Völker im Universum. Ihr seid eine andere Art! Es gibt solche wie euch immer wieder und immer wieder muss das Universum sich vor euch schützen. Ganze Teile von Universen mussten ausgelöscht werden um euresgleichen zu stoppen. Eure Hybris ist immer die gleiche. Und wie oft es euch auch gesagt wurde, es war vergeblich. Kennst du den Ursprungsplaneten der Menschheit?  Die Erde, der blühende Planet der euch geboren hat? Weist du wie er jetzt aussieht? Ein Haufen Schlacke, ein Planet der schon seit tausenden von Jahren keine Pflanzen und keine Tiere mehr kennt. Ein toter Planet. Und er ist nicht der einzige. Zehntausende von Systemen in dem Arm der Galaxie der euch Heimat bot, sind vollständig ausgeblutet. Ihr habt sie ausgesaugt. Ihr habt ihnen das Leben genommen. Und dann habt ihr euch weiter ausgebreitet. Und ihr habt weiter die Energien verschwendet, ihr habt die Grundkräfte des Universums begonnen anzuzapfen und ihr habt nicht gegeben. Ihr seid Schmarotzer. Auf euer Urheimat der Erde, kannte die Menschen eine Krankheit die sie erbittert bekämpften, weil jeder betroffene Mensch sie als bösartigste Form erlebte, in der ein Teil des eigenen Körpers den Rest auffraß!  Diese Krankheit nannte man KREBS.  Und es gab oft nur noch eine Möglichkeit, wenn man die bösartige Wucherung feststellte, eine sehr radikale Form der Behandlung. Ihr habt diese damals Chemotherapie genannt, weil ihr mit chemischen Stoffen versucht habt, das betroffene Gewebe und die Geschwulst aus dem Körper zu entfernen, indem ihr es vernichtet. Es war grausam und schmerzhaft, den Menschen fielen oft die Haare aus und sie erbrachen sie mehrmals am Tag. Oft erst nach einem langen mühsamen Weg gelang die Genesung.“  Das Wesen setzte ab und wartete. In den Augen der Frau spiegelt sich ein Schimmer der Erkenntnis.  Und mit dieser Erkenntnis kommt das Grauen zurück, weil sie zu begreifen beginnt, das es auch für sie keine Gnade geben würde. „Ich sehe du verstehst!“, beendet das Wesen seine Rede.

Das Wesen stieg zurück in seine weiße Rüstung und der Strahl erfasste sie wieder. Dann spürte sie Schmerz und sie löste sich auf. Das Kind stand weiterhin erstarrt am Felsen. Nun richtete sich der Strahl auch auf das Kleine. Es begriff, das es nun an der Reihe sein würde und sah das weißglänzende Wesen mit tränenüberströmtem Gesicht flehend an. Doch auch das Kind wurde bis auf den letzten Rest wurde von dem auflösenden Strahl vernichtet. Nichts blieb von der Menschheit. Tausende Jahre später durchstreiften die seltsamen Raumschiffe diesen Sektor des Universums noch mal. Nirgendwo hatte sich auch nur eine Schar von Menschen gerettet. Die Menschheit war vollständig ausgelöscht worden.

Das Universum konnte sich nun langsam wieder erholen.  Es war nur ein kleiner Eingriff gewesen, den die Allmacht durchführen musste, aber er hatte dieses Universum vor dem langsamen schleichenden Aufgefressenwerden bewahrt.

Die Allmacht lenkte ihre Aufmerksamkeit auf ein anderes Universum. Sie verkörperte sich selbst auf einen Planeten um eine Rasse zu testen, dessen Bewohner gerade begannen ihre Natur zu vergewaltigen. Die verkörperte Allmacht sprach zu ihnen, zeigte ihnen was sie mit der Allmacht bewirken konnte, wenn sie im Einklang mit ihr waren. In einigen tausend Jahren würde sich zeigen was sich herausbilden würde. Sie warnte die Bewohner und sprach zu ihnen in Bildern eines letzen Gerichts, um sie auf die Gefahr die in ihnen schlummerte aufmerksam zu machen.

Eventuell würde auch hier die Allmacht in dieses Universum eingreifen und eine bösartige Geschwulst entfernen müssen, wenn sie die Botschaft nicht verstanden, keine Ohren hatten zu hören und keine Augen um zu sehen. Und wenn der Planet unter ihnen vor Schmerzen schrie, weil er gnadenlos ausgebeutet wurde oder die Atmosphäre vollständig vergiftet war, auch schon viel früher. Wenn sie eine Tierart endgültig aussterben ließen und ein Kind wegen ihrer Art mit ihnen umzugehen böse wurde. Wenn sie die Alten ihrer Art nur noch als Belastung empfanden, die sie möglichst schnell loswerden wollen. Wenn es wieder diese Art von blinden Parasiten war, die alles um sich herum zerstörten und sich ausbreiteten um wieder zu zerstören. Aber die Allmacht konnte vielleicht durch ihr Auftreten hier bewirken, und später durch Bilder, durch Musik oder durch kleine Geschichten, das dieser Rasse das Schicksal jener schon längst vergessenen Erdlinge und ihrer großen Reiche erspart blieb.

Und wieder schrie ein Universum in Not. Ein Teil der Liebe der Allmacht wendete sich diesem Leid zu. Der Galaxie deren Arme ausgesaugt wurden, die Systeme deren Planeten vergewaltigt wurden und den vielen Lebewesen die leiden mussten. Auch hier war eine radikale Therapie notwendig.

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